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Täbriz

05 Dez

14. 09. 1394

Gegen 11 Uhr am Abend startet das nächste Autorennen, der Parkplatz ist jetzt komplett leer, wir haben „Loge“ gebucht.
Mehr Platz, höhere Geschwindigkeiten, noch spektakulärere Pirouetten, die Zuschauer sind begeistert, johlender Applaus im 10-Sekunden-Takt…..
….nun ja, irgendwann beginnt es dann auch ein wenig nervig zu werden, zudem schlitzt so mancher „Matador“ nur wenige Zentimeter an unserem HerrMAN vorbei.
Wir gehen schlafen, so weit dies möglich ist, und irgendwann, es dürfte wohl so gegen 1 Uhr in der Nacht sein, ist dann auch Ruhe.

Die Nacht ist wieder verdammt kalt, minus 9 Grad, durch den starken Wind wohl gefühlte minus 20, – trotz laufender Heizung läuft unser Brauchwasser nicht mehr ab, – eingefroren.
Am Morgen gegen 7 Uhr werden wir durch zackige, militärähnliche Kommandos von drüben aus dem Goli-Park geweckt, – Heerscharen iranischer Frühaufsteher machen dort, trotz des kalten Wetters, unter Anleitung, ihren Frühsport, andere joggen durch den Park, oder walken, selbst Frauen, alleine oder zu zweit, sind unterwegs.
Anfangs scheint die Sonne, nach einer Stunde verschwinder sie aber hinter Wolken und es wird wieder recht unangenehm.

Heike lernt bei ihrem Morgenspaziergang mit Aspros im Park „Ehsan“ kennen, einen Iraner, in unserem Alter, der sehr gut deutsch spricht und unheimlich aufgeschlossen und nett das Gespräch sucht. Sie bereden allerhand Dinge über die Stadt, den Park und „Ehsan´s“ Lebensgeschichte, er hat 9 Jahre lang in Deutschland gelebt und gearbeitet.

Dann habe ich das „Vergnügen“, das große, internationale Krankenhaus der Stadt kennen zu lernen.
Ich habe seit drei Wochen heftige Schmerzen im unteren Rücken und im Bein, kann kaum noch sitzen, stehen oder liegen, ich vermute ein Problem mit dem Ischiasnerv.
Heike hatte wohl im Gespräch davon erzählt und „Ehsan“ überredet sie sofort, mit mir ins Krankenhaus zu fahren, damit sich das mal ein Arzt ansieht. Wir fahren gleich los.
Interessant, zu sehen, wie es dort so zugeht.
An der Reception kriegen wir erfreulicherweise zu hören, daß der Orthopäde heute im Haus ist, man möchte meinen Pass sehen, füllt eine Karteikarte aus und ich zahle das „Eintrittsgeld“ von etwa 10 Euro.
Nach gut 40 Minuten warten, bin ich dran, der junge Arzt spricht recht gut englisch, wir kommen gut zurecht, er untersucht mich und renkt mir dann mit zwei chiropraktischen Griffen die Rückenwirbel zurecht, verschreibt mir ein Medikament und eine Salbe, das wars dann schon. Die Behandlung ist im „Eintrittsgeld“ bereits enthalten und kostet nicht extra. Die Apotheke ist direkt mit im Krankenhaus, für die Medikamente zahle ich noch einmal etwa 6 Euro.

Als ich mit „Ehsan“ über unsere Pläne für den Tag rede, – wir wollen den „Großen Bazar“ in der Stadt besuchen, ist er nicht mehr zu halten:
Er müsse uns seine Stadt zeigen, den Bazar und die anderen Dinge, und wir müssen unbedingt seine Frau kennenlernen und ihn zu Hause besuchen.
Deutschland habe ihm so viel gegeben und die Menschen seien gut zu ihm gewesen, – er würde sich riesig freuen, wenn er ein kleines Stück davon heute an uns zurückgeben könnte. – Ja, so sind sie, die Iraner, so hatten wir es gehört und gelesen, wahnsinnig offen und nett, freundlich, warm und herzlich.
Wir sagen zu, – „Ehsan“ ruft seine Frau an, will uns zum Essen einladen, das können wir gerade noch abblocken, es wird viel zu früh dunkel.
Dann fahren wir los, – Aspros bewacht heute den HerrMAN, – zunächst zu seiner Wohnung, „Parvin“ seine Frau abholen, dann in die Stadt zum „Großen Bazar“.
Dort zuerst in die Tourist-Information zu Hr. Nasser Khan, der in allen Reiseführern als „allwissend und hilfsbereit“ gepriesen wird, wir haben einige Fragen, wegen dem Übertritt in die Emirate, die er uns recht zufriedenstellend beantworten kann, gibt uns Adressen und Telefonnummern von kompetenten Helfern.
Dann gehen wir alle vier im Bazar in einem kleinen Restaurant essen, – schön, gleich jemand dabei zu haben, der die iranische Küche kennt und uns zeigt, was man hier so isst.
Anschließend bummeln wir durch den Bazar, viele Iraner sprechen uns an, es ist schön, durch „Ehsan“ mit ihnen reden zu können, sie sind alle superfreundlich und witzig, immer irgendwie zum Spaßen aufgelegt, auch „Parvin“ ist eine echte Frohnatur, der Nachmittag verläuft richtig toll, wir haben Spaß miteinander.

Als es schon lange dunkel ist, fahren wir zurück zu unserem Stellplatz.
„Ehsan“ und „Parvin“ lassen nicht locker, wir sollen den Abend heute unbedingt bei Ihnen zu Hause verbringen und auch Aspros soll unbedingt mitkommen, – sie mögen ihn beide, eigentlich recht ungewöhnlich, denn Hunde sind im Iran nicht wirklich hoch angesehen, aber die beiden sind auch irgendwie anders, also sagen wir zu.
Und es wird ein toller Abend, die Wohnung der beiden ist neu und groß, schön und modern eingerichtet, und wunderbar warm, die Gasheizung läuft.
Wir diskutieren über Gott und die Welt, über seine Zeit in Deutschland, über den Iran damals und heute, auch über heikle Themen, aber beide sind unheimlich ehrlich und offen und wollen wissen, wie unser Leben so aussieht.
So verplaudern wir den ganzen Abend, dazwischen wird ein wenig gegessen, Tee getrunken, mal ins Fernsehen reingeschaut und Musik gehört, der Abend ist richtig toll, anregend, interessant und lehrreich.
Um nicht unhöflich lange hocken zu bleiben, versuchen wir ab 22 Uhr aufzubrechen, gegen 23.30 Uhr gelingt es dann, sie bringen uns zurück, wir tauschen vorher unsere Adressen aus und müssen versprechen, sie auf unserer Fahrt zurück im März unbedingt wieder zu besuchen.
Die beiden sind wirklich solch supernette und herzliche Menschen, daß bereits nach einigen gemeinsamen Stunden der Abschied schwerfällt.

Geschafft und müde von solchen Erlebnissen fallen wir gegen 1 Uhr ins Bett, heute ist dankenswerterweise kein Autorennen im Gang.

Tagesetappe:   0 km                    Gesamtstrecke:   4.962 km

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Verfasst von - 5. Dezember 2015 in Allgemein

 

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