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Von Shiraz nach Kazerun

16 Dez

25. 09. 1394

Heute ziehen wir weiter.
Unser netter Nachbar, der uns erlaubt hat, zwei Tage lang bei ihm Strom zu tanken, nimmt natürlich kein Geld dafür, als wir uns von ihm verabschieden. Also bringen wir ihm zum Dank eine große Packung Plätzchen, – Süßigkeiten stehen bei den Iranern ganz hoch im Kurs, gestern waren wir in einem Laden, der nur Süßigkeiten verkauft, – schon beim Blick durchs Schaufenster nimmt man automatisch 2 kg zu.
Er freut sich wirklich riesig darüber und bedankt sich mehrmals überschwenglich dafür, – dabei sind wir es doch, die zu danken haben.

Der Englischlehrer, mit dem wir gestern schon am Zaun ausführlich geredet hatten, kommt auch noch einmal vorbei, macht Fotos mit uns, fragt uns, schaut mal in den HerrMAN rein und ist total begeistert.

Noch Wasser tanken und die Wäsche aus der Wäscherei holen, dann fahren wir los.
Zunächst verweigert das Navi die Arbeit, die Fahrt durch die Stadt ist ohne das Navi extrem schwierig, es werden kaum Fernziele auf den Schildern angegeben, sondern immer nur irgendwelche großen Boulevards, von denen wir nicht wissen, wo sie hinführen. Nun, nach einer Stunde sind wir dann doch endlich durch und auf der 86 nach Westen.

Die 86 wird zusehends schlechter, der Belag immer wieder mal löchrig und wellig, später verjüngt sie sich zu einer einspurigen Landstraße, sie führt von Shiraz, das in etwa 1550 mtr. ü. NN liegt noch einmal hinauf in die Berge bis auf fast 2000 Meter, wir sehen noch einmal Schnee an den Nordhängen, an den Südseiten hat die kräftige Sonne alles schon weggetaut, die Temperatur geht dort oben wieder bis auf 8 Grad zurück.
Die Straße schlängelt sich durch die Berge, geht bergauf und bergab, bis sie hinter dem Paß dann in einigen Serpentinen nach unten führt, wir haben einen unendlich weiten Blick, allerdings ist die Luft dort sehr dunstig und es ist nicht sehr viel zu erkennen, letztendlich landen wir gegen Abend in Kazerun und dort sind wir schon auf 800 Metern, die Temperatur liegt wieder bei 15 Grad.

In den Bergen ist die Landschaft karg, wüstenhaft, wachsen tut kaum etwas hier oben, erst nach dem ersten Abstieg sehen wir eine Vielzahl von Obstbäumen, sieht nach Granatäpfelbäumen aus, die jetzt um diese Zeit hier abgeerntet und ohne Laub sind.
Nach einem zweiten Abstieg kommen wir total unerwartet in eine grüne Oase, schon von Weitem leuchtet sie uns entgegen, – hier wird auf den Feldern gearbeitet, – es ist Erntezeit, – meist Gemüse, – wir sehen Felder voller Maroulisalat, – auch einige Gewächshäuser stehen hier.

Kurz vor Kazerun sehen wir rechts der Straße ein kleine Werkstatt, an der gerade ein LKW geputzt wird, — das wärs !
Unser HerrMAN ist vor lauter Dreck kaum noch zu erkennen, – also drehen und rein, – wir kommen gleich dran, die Jungs „kärchern“ fleißig drüber, es macht ihnen offensichtlich richtig Spaß, – den hätten wir auch, denn es lohnt sich richtig. Es möchte irgendwie jeder mal und so wechselt drei mal der „Akteur“, bis unser Gefährt blitzeblank ist.
Als ich dann nach der Rechnung frage, winken sie ab ! Ja gibts denn so was auch ? Die nehmen kein Geld dafür, putzen einfach mal so aus Spaß an der Freude unser Auto, – das haben wir auch noch nicht erlebt. Sicherheitshalber frage ich noch einmal, – ich kann es nicht glauben, – aber sie bleiben dabei. Es sei Ihnen ein Vergnügen gewesen. Unglaublich !
Zum Dank kriegen auch sie eine große Packung unserer Plätzchenmischung, die nehmen sie gerne, freuen sich und bedanken sich eifrig dafür.
Wir danken auch noch mehrmals, verabschieden uns dann und ziehen weiter bis Kazerun.

Dort am Azadi-Park finden wir einen ganz brauchbaren Stellplatz.
Allerdings kommt gegen 20 Uhr wieder die Polizei vorbei, fragt höflich an, -woher, -wohin, -schaut mal kurz in die Papiere und in die Kabine, sie telefonieren wieder mit ihrem Chef ( Das hatten wir doch schon mal !? ) und sichern uns zu, daß es kein Problem sei, hier zu stehen, sie entschuldigen sich für die Störung und lassen uns in Ruhe.

Jedoch nur für 10 Minuten, dann klopft wieder jemand an, beim Rausschauen kriege ich fast einen Schrecken, mittlerweile sind aus den drei Polizisten ganze sieben geworden, man erklärt mir wieder mal, daß ja alles in Ordnung sei und auch alles sicher, aber es doch besser wäre, einen anderen, noch sichereren, Platz aufzusuchen.
Sie bitten mich, Ihnen zur nahen Polizeistation zu folgen, sie würden uns hinbringen, zwar etwas außerhalb, dort stehe aber ein bewaffneter Polizist die ganze Nacht vor der Tür, das wäre doch optimal, dort seien wir ganz sicher.
Ja, – warum eigentlich nicht, so machen wir es und fahren hin, dort bedanke ich mich beim Chef der Polizeitruppe, dieser entschuldigt sich noch einmal für die Störung, und so stehen wir jetzt hier gegenüber der Polizeistation von Kazerun. ( N 29° 37´ 10.2″ E 051° 37´ 50.4″ )

Tagesetappe:   160 km                    Gesamtstrecke:   6.505 km

 
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Verfasst von - 16. Dezember 2015 in Allgemein

 

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