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Von Bandar Abbas (Iran) nach Sharjah (Vereingte Arabische Emirate)

23 Dez

02. 10. 1394

Um 9.30 Uhr fahren wir los, der Hafen liegt knapp 20 km westlich. ( N 27° 09.278 E 056° 12.360 )

Wir wissen aus vielen Reiseberichten, daß das Auschecken aus Iran eine ewig langwierige, absolut unüberschaubare Prozedur darstellt, die kaum unter 10 Stunden zu bewältigen ist. Die Fähre soll gegen 21 Uhr planmäßig ablegen, was sie aber eigentlich noch nie gemacht hat. – Also schauen wir mal, was da so kommt.

Wir können direkt ins Hafengelände einfahren, parken hinter dem Wachhäuschen und kümmern uns zuerst um die Abholung der Tickets (dazu gehen wir vor dem Passenger-Terminal links den Weg hinter, zu dem zurückliegenden, gelben Gebäude).
Die Fahrzeugtickets sind für uns reserviert, wir kümmern uns am Schalter nebenan um die Schiffsladepapiere, sie sollen bis zum Abend fertig sein und zahlen die Hafengebühren von 50.000 Rial.
Wegen der Personentickets schlägt man uns vor, die Rückfahrttickets gleich mit zu kaufen, einfache Fahrt kostet 2,7 Mio Rial, Hin- und Rückfahrt nur 4,2 Mio Rial, also machen wir das. Sie sollen uns auch am Abend zusammen mit den Fahrzeugtickets ausgehändigt werden.

Dann beginnt das ewige Prozedere der „Fahrzeugausfuhr“.
Dazu gehen wir in das Zollgebäude, links vor dem Passenger-Terminal.
Der für uns zuständige Schalter ist gerade nicht besetzt, der zuständige Herr, der sich später noch als echter „Stinker“ herausstellen wird, kommt nach 15 Minuten und schickt uns erst mal Pässe und Carnet kopieren, was in einem kleinen Container vorne am Hafeneingang kostenpflichtig erledigt werden kann. Wir werden dort heute noch einige Male „aufschlagen“, denn der freundliche Herr an unserem Abfertigungsschalter steckt uns immer nur scheibchenweise zu, welche Kopien er gerne hätte.
Naja, und dann beginnt ein absolut undurchschaubarer Rundlauf, von Schalter zu Schalter, natürlich nicht schön nebeneinander, sondern immer möglichst weit voneinander entfernt, meist über den Hof in irgend ein anderes Gebäude oder einen Container, der irgendwo aufgestellt ist, zwischendurch müssen wir die Fahrzeuge vorführen, die Fahrgestellnummern werden kontrolliert, dann „wandern“ wir weiter, ein System ist absolut nicht erkennbar, wir tun halt, was wir von Schalter zu Schalter auf Nachfragen gesagt bekommen.
Dankenswerterweise haben wir Cristian als „Guide“ mit uns, mit seinen Sprachkenntnissen kann er wenigstens annähernd erfahren, was als Nächstes zu tun ist, ohne ihn wären wir heftig aufgeschmissen, denn kaum jemand hier ist der englischen Sprache mächtig.

Irgendwann gegen Abend können wir die Fahrzeuge dann in den Zollbereich im Hafen fahren, unsere Mitfahrer müssen draussen bleiben und sich ins Passenger-Terminal begeben.
Unser Weg durchs Labyrinth geht im Zollbereich weiter, dort holen wir weitere Stempel, müssen vor einem Büro im ersten Stock einer alten, verdreckten Halle fast eine Stunde warten, weil dort um 18 Uhr Schichtwechsel sein wird, der Neue noch nicht da ist, der Alte aber bereits vor einer Stunde gegangen ist.
Ja, — und irgendwann, nach annähernd 20 Stempeln und handschriftlichen Vermerken auf dem Ausreiseabschnitt des Carnet bekommen wir endlich den begehrten Ausreisestempel ins Carnet, die Fahrzeuge sind durch, wir stellen sie an der Fähre ab und begeben uns auch ins Passenger-Terminal, – es ist 19.00 Uhr.

Die Personenkontrolle und -ausreise ist ziemlich easy, das Handgepäck wird durch einen Scanner gelassen, der Paß wird angesehen und ausgestempelt und das wars.
Allerdings sollen wir warten, bis alle anderen durch sind, wir kommen als Letzte dran. Vor uns etwa 100 Passagiere, meist Araber aus den Emirates und dem Oman, mit ihren tief verschleierten Frauen, teilweise versteckt hinter Gesichtsmasken, – das sieht schon sehr eigentümlich aus, wenn man es so direkt aus der Nähe besehen kann, im Warteraum sitzen sie direkt neben uns. Alle sind schwer bepackt, schieben ganze Wagenladungen Gepäck vor sich her, oft Lebensmittel, im Iran ist alles wesentlich billiger, natürlich dauert es, bis das alles kontrolliert ist.

Dann ist es 21 Uhr, wir sind noch immer nicht dran, haben noch nicht mal unsere Tickets, hier braucht es echt Nerven !
Als gegen 22 Uhr alle durch sind, kommen wir dran, zuerst die Tickets, – durch die „Bill of Loading“-Kosten von 1,9 Mio Rial bei den beiden anderen Fahrzeugen, bzw. 2,2 Mio Rial für unseren Großen und die Hin- und Rückfahrt-Tickets, die eigentlich nicht geplant waren, reichen uns allen die Rial nicht, Cristian wollte für uns alle mit seiner Iran-Card bezahlen, die wollen sie aber nicht akzeptieren, Bankautomaten gibts ja bekanntlich keine, also bleibt nur die Bezahlung in US-Dollar oder Euro, jetzt geht das hökern um einen guten Umrechnungskurs los, – es geht mehrere Runden lang, hin und her, in Dollar, in Euro, – und wieder in Dollar, – die Zeit läuft, – die Fähre wartet geduldig, – die anderen Passagiere notgedrungen auch, es wird nicht mit der Beladung begonnen, bevor alle durch die Abfertigung sind.

Dann kommt noch ein Problem bei Norbert und Alex hinzu, ihre Visa sind bereits seit 6 Tagen abgelaufen, man hat ihnen auf der Ausländerbehörde, die sie vor Tagen aufgesucht hatten, irgend einen „Mist“ erzählt, daß die Verlängerung automatisch bei der Ausreise eingestempelt würde, was natürlich nicht stimmt.
Also beginnen endlose Diskussionen, man einigt sich auf eine Strafzahlung von 375.000 Rial pro Tag, allerdings sind die Zöllner nicht inkassoberechtigt, und Rial haben unsere Jungs auch keine mehr. Letztendlich sollen sie im Land bleiben bis alles geklärt ist und erst am Samstag ausreisen dürfen.
Cristians Überredungskünste reichen dann letztendlich doch dazu aus, daß wir das abwenden können, – ich hatte unsere Tickets noch nicht bezahlt und habe noch die Rial dafür in der Tasche, – ich gebe ihnen 4,1 Mio, zahle meine Tickets in Euro, – damit ist das Problem aus dieser Sicht gelöst, – und als wir Ihnen die Rial zeigen, ist plötzlich auch jemand inkassoberechtigt ! – Na also, geht doch !

Letztendlich sind wir gegen 23 Uhr endgültig ausgestempelt, die Passagiere im Wartesaal hinter der Absperrung erwarten uns sehnsüchtig, – wenn Blicke töten könnten !

Wir fahren als Letzte auf die Fähre „Hormuz 12“, das Deck ist seitlich offen, also gut durchlüftet.
Wir können in unseren Campern an Deck übernachten, im zweiten Oberdeck wird noch ein Abendessen gereicht, – wir verzichten darauf, – mein Fuß klopft und ist kurz vorm Platzen, – das waren wohl doch ein paar Kilometer zu viel für ihn, ich bin fix und fertig, – wäre wohl eh die Treppen nach oben nicht mehr hoch gekommen, wir lassen uns einfach nur noch ins Bett fallen.

Drüben in Dubai werde ich wohl doch noch mal zum Arzt müssen.

Tagesetappe:   17 km                    Gesamtstrecke:   7.510 km

 
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Verfasst von - 23. Dezember 2015 in Allgemein

 

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