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Archiv für den Monat Dezember 2015

Von Bandar Abbas (Iran) nach Sharjah (Vereingte Arabische Emirate)

02. 10. 1394

Um 9.30 Uhr fahren wir los, der Hafen liegt knapp 20 km westlich. ( N 27° 09.278 E 056° 12.360 )

Wir wissen aus vielen Reiseberichten, daß das Auschecken aus Iran eine ewig langwierige, absolut unüberschaubare Prozedur darstellt, die kaum unter 10 Stunden zu bewältigen ist. Die Fähre soll gegen 21 Uhr planmäßig ablegen, was sie aber eigentlich noch nie gemacht hat. – Also schauen wir mal, was da so kommt.

Wir können direkt ins Hafengelände einfahren, parken hinter dem Wachhäuschen und kümmern uns zuerst um die Abholung der Tickets (dazu gehen wir vor dem Passenger-Terminal links den Weg hinter, zu dem zurückliegenden, gelben Gebäude).
Die Fahrzeugtickets sind für uns reserviert, wir kümmern uns am Schalter nebenan um die Schiffsladepapiere, sie sollen bis zum Abend fertig sein und zahlen die Hafengebühren von 50.000 Rial.
Wegen der Personentickets schlägt man uns vor, die Rückfahrttickets gleich mit zu kaufen, einfache Fahrt kostet 2,7 Mio Rial, Hin- und Rückfahrt nur 4,2 Mio Rial, also machen wir das. Sie sollen uns auch am Abend zusammen mit den Fahrzeugtickets ausgehändigt werden.

Dann beginnt das ewige Prozedere der „Fahrzeugausfuhr“.
Dazu gehen wir in das Zollgebäude, links vor dem Passenger-Terminal.
Der für uns zuständige Schalter ist gerade nicht besetzt, der zuständige Herr, der sich später noch als echter „Stinker“ herausstellen wird, kommt nach 15 Minuten und schickt uns erst mal Pässe und Carnet kopieren, was in einem kleinen Container vorne am Hafeneingang kostenpflichtig erledigt werden kann. Wir werden dort heute noch einige Male „aufschlagen“, denn der freundliche Herr an unserem Abfertigungsschalter steckt uns immer nur scheibchenweise zu, welche Kopien er gerne hätte.
Naja, und dann beginnt ein absolut undurchschaubarer Rundlauf, von Schalter zu Schalter, natürlich nicht schön nebeneinander, sondern immer möglichst weit voneinander entfernt, meist über den Hof in irgend ein anderes Gebäude oder einen Container, der irgendwo aufgestellt ist, zwischendurch müssen wir die Fahrzeuge vorführen, die Fahrgestellnummern werden kontrolliert, dann „wandern“ wir weiter, ein System ist absolut nicht erkennbar, wir tun halt, was wir von Schalter zu Schalter auf Nachfragen gesagt bekommen.
Dankenswerterweise haben wir Cristian als „Guide“ mit uns, mit seinen Sprachkenntnissen kann er wenigstens annähernd erfahren, was als Nächstes zu tun ist, ohne ihn wären wir heftig aufgeschmissen, denn kaum jemand hier ist der englischen Sprache mächtig.

Irgendwann gegen Abend können wir die Fahrzeuge dann in den Zollbereich im Hafen fahren, unsere Mitfahrer müssen draussen bleiben und sich ins Passenger-Terminal begeben.
Unser Weg durchs Labyrinth geht im Zollbereich weiter, dort holen wir weitere Stempel, müssen vor einem Büro im ersten Stock einer alten, verdreckten Halle fast eine Stunde warten, weil dort um 18 Uhr Schichtwechsel sein wird, der Neue noch nicht da ist, der Alte aber bereits vor einer Stunde gegangen ist.
Ja, — und irgendwann, nach annähernd 20 Stempeln und handschriftlichen Vermerken auf dem Ausreiseabschnitt des Carnet bekommen wir endlich den begehrten Ausreisestempel ins Carnet, die Fahrzeuge sind durch, wir stellen sie an der Fähre ab und begeben uns auch ins Passenger-Terminal, – es ist 19.00 Uhr.

Die Personenkontrolle und -ausreise ist ziemlich easy, das Handgepäck wird durch einen Scanner gelassen, der Paß wird angesehen und ausgestempelt und das wars.
Allerdings sollen wir warten, bis alle anderen durch sind, wir kommen als Letzte dran. Vor uns etwa 100 Passagiere, meist Araber aus den Emirates und dem Oman, mit ihren tief verschleierten Frauen, teilweise versteckt hinter Gesichtsmasken, – das sieht schon sehr eigentümlich aus, wenn man es so direkt aus der Nähe besehen kann, im Warteraum sitzen sie direkt neben uns. Alle sind schwer bepackt, schieben ganze Wagenladungen Gepäck vor sich her, oft Lebensmittel, im Iran ist alles wesentlich billiger, natürlich dauert es, bis das alles kontrolliert ist.

Dann ist es 21 Uhr, wir sind noch immer nicht dran, haben noch nicht mal unsere Tickets, hier braucht es echt Nerven !
Als gegen 22 Uhr alle durch sind, kommen wir dran, zuerst die Tickets, – durch die „Bill of Loading“-Kosten von 1,9 Mio Rial bei den beiden anderen Fahrzeugen, bzw. 2,2 Mio Rial für unseren Großen und die Hin- und Rückfahrt-Tickets, die eigentlich nicht geplant waren, reichen uns allen die Rial nicht, Cristian wollte für uns alle mit seiner Iran-Card bezahlen, die wollen sie aber nicht akzeptieren, Bankautomaten gibts ja bekanntlich keine, also bleibt nur die Bezahlung in US-Dollar oder Euro, jetzt geht das hökern um einen guten Umrechnungskurs los, – es geht mehrere Runden lang, hin und her, in Dollar, in Euro, – und wieder in Dollar, – die Zeit läuft, – die Fähre wartet geduldig, – die anderen Passagiere notgedrungen auch, es wird nicht mit der Beladung begonnen, bevor alle durch die Abfertigung sind.

Dann kommt noch ein Problem bei Norbert und Alex hinzu, ihre Visa sind bereits seit 6 Tagen abgelaufen, man hat ihnen auf der Ausländerbehörde, die sie vor Tagen aufgesucht hatten, irgend einen „Mist“ erzählt, daß die Verlängerung automatisch bei der Ausreise eingestempelt würde, was natürlich nicht stimmt.
Also beginnen endlose Diskussionen, man einigt sich auf eine Strafzahlung von 375.000 Rial pro Tag, allerdings sind die Zöllner nicht inkassoberechtigt, und Rial haben unsere Jungs auch keine mehr. Letztendlich sollen sie im Land bleiben bis alles geklärt ist und erst am Samstag ausreisen dürfen.
Cristians Überredungskünste reichen dann letztendlich doch dazu aus, daß wir das abwenden können, – ich hatte unsere Tickets noch nicht bezahlt und habe noch die Rial dafür in der Tasche, – ich gebe ihnen 4,1 Mio, zahle meine Tickets in Euro, – damit ist das Problem aus dieser Sicht gelöst, – und als wir Ihnen die Rial zeigen, ist plötzlich auch jemand inkassoberechtigt ! – Na also, geht doch !

Letztendlich sind wir gegen 23 Uhr endgültig ausgestempelt, die Passagiere im Wartesaal hinter der Absperrung erwarten uns sehnsüchtig, – wenn Blicke töten könnten !

Wir fahren als Letzte auf die Fähre „Hormuz 12“, das Deck ist seitlich offen, also gut durchlüftet.
Wir können in unseren Campern an Deck übernachten, im zweiten Oberdeck wird noch ein Abendessen gereicht, – wir verzichten darauf, – mein Fuß klopft und ist kurz vorm Platzen, – das waren wohl doch ein paar Kilometer zu viel für ihn, ich bin fix und fertig, – wäre wohl eh die Treppen nach oben nicht mehr hoch gekommen, wir lassen uns einfach nur noch ins Bett fallen.

Drüben in Dubai werde ich wohl doch noch mal zum Arzt müssen.

Tagesetappe:   17 km                    Gesamtstrecke:   7.510 km

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Verfasst von - 23. Dezember 2015 in Allgemein

 

Tag 2 in Bandar Abbas

01. 10. (Dey) 1394

Der Abend ist wieder voller Menschen und entsprechend laut, – aber irgendwie gewöhnen wir uns daran, – finden sogar zeitweise Gefallen an dem bunten Treiben.
Die Nacht ist ruhig, am Morgen bleibt wir ein wenig länger in den Federn, – nichts eilt heute.

Eventuell wollen wir heute noch einmal Geld tauschen, die Tickets und die Hafengebühren zahlt man besser in iranischen Rial, die amtlichen Kurse, die man dort für Euro und Dollar angesetzt bekommt, spotten jeder Beschreibung.
Cristian telefoniert rum und versucht die beste und günstigste Fährverbindung zu erfahren.
Am Ende wird es doch nichts mit der kürzeren und günstigeren Passage von Bandar Lengeh direkt nach Dubai. Die offensichtlich kleinere Fähre wird zur Zeit nicht eingesetzt, weil das Wetter im Persischen Golf nicht stabil genug sei, es geht tatsächlich nur diese eine Fähre (Hormuz 12 der Valfajr Shipping Co.) von Bandar Abbas nach Sharjah, und zwar morgen und wir kommen mit.
Cristian konnte tatsächlich einen besseren Preis für unseren HerrMAN aushandeln, anstatt der Offerte für 700 US-Dollar, die wir schon in Shiraz bekommen hatten, müssen wir nur 600 US-Dollar zahlen, zudem können wir bei der Ankunft in Sharjah in US-Dollar oder AE-Dirham zahlen, also nochmal Geld tauschen fällt damit auch aus.

Prima, somit ist alles für heute erledigt und wir haben Zeit.
Mit Stadtbesichtigung oder Bazarbummel wird es allerdings nichts, mein seit Tagen heftig geschwollener und schmerzender Fuß will einfach nicht besser werden, ich schone ihn heute mal ein wenig, so geben wir uns dem Müßiggang hin.
Das Wetter dazu passt prima, die Nächte sind mit 19 Grad ziemlich mild, am Tag scheint die Sonne vom blauen Himmel und das Quecksilber steigt auf angenehme 26 Grad.

Wir beobachten das Treiben im Park und am Strand, es ist ein ständiges Kommen und Gehen.
Die Iraner sind sportlich, schon in der Morgendämmerung joggen oder walken sie am Strand entlang, fahren Mountainbike, gehen spazieren oder treffen sich zur Morgengymnastik an den Trimmgeräten, die eigentlich in jedem Park aufgebaut sind. Es sieht für uns schon ziemlich ungewöhnlich aus, wenn eine tief verschleierte, mit dem Shador bekleidete Frau am „Butterfly“ ihre Übungen macht oder die Hantelstangen stemmt.

Am späten Nachmittag nimmt der Zulauf dann merklich zu, Händler bauen langsam ihre Stände auf, Wasserpfeifen und Süßigkeiten werden angeboten, Frauen in bunten Tüchern legen Teppiche auf dem Boden aus und bauen ihre Garküchen auf, sie backen Crepes-ähnliche Fladen mit einer würzig-scharfen Füllung aus Irgendwas.
Eine von ihnen hat sich direkt neben uns niedergelassen, entsprechend geht es draussen zu, es sieht irgendwie aus, wie in einem Lager, eine Menge Leute stehen oder sitzen um die Garküche, essen, trinken und ratschen miteinander, wir mittendrin, probieren die Crepes, Heike lässt sich eine Wasserpfeife reichen, junge Frauen setzen sich zum Plauschen zu uns, es macht einen Heidenspaß.

Doch irgendwann müssen wir ins Bett, morgen werden wir etwas früher aufstehen, ein anstrengender „Grenztag“ steht uns bevor.

Tagesetappe:   0 km                    Gesamtstrecke:   7.493 km

 
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Verfasst von - 22. Dezember 2015 in Allgemein

 

Bandar Abbas

30. 09. 1394

Gestern abend geht es wirklich lange hoch her draußen an der Promenade, irgendwann schlafen wir dann doch ein.
Aber selbst in der Nacht, es mag wohl so gegen drei Uhr in der Früh gewesen sein, dringt Gesang vom Strand zu uns herauf, sehr gesellig sind sie, die Iraner.

Heute wollen wir uns um die Fährverbindung und die Tickets kümmern, evtl. noch mal volltanken, wenn das möglich ist.
Gegen 10 Uhr fahren wir etwa 20 Kilometer durch die Stadt nach Westen in eine Schiffsagentur, in der es die Tickets geben soll.
Dort erfahren wir als erstes, daß eine Direktverbindung in den Oman, die wir wegen Aspros bevorzugen würden, nicht existiert.
Dann hören wir, was wir eh schon wussten, daß die Fährverbindung Bandar Abbas-Sharjah immer Samstags, Montags und Mittwochs gefahren wird, den Samstag sollte man wegen dem Freitag (Sonntag) meiden, weil die Fähre dann ziemlich voll ist, Montag ist heute, das ist wohl zu spät, also werden wir wohl am Mittwoch fahren.
Hier in der Agentur möchte man uns die Personentickets verkaufen, sollen 2,7 Mio Rial (75 US-Dollar) pro Nase kosten, einen Preis für unser Fahrzeugticket kann man uns nicht machen, dazu müssten wir direkt in den Hafen fahren, sagt man uns.
Also fahren wir, natürlich ohne Personentickets, an den Hafen, etwa 2 Kilometer westlich. Reinfahren in den gesicherten Bereich können wir nicht, weil wir dann evtl. nicht mehr rauskommen. Reza geht gerne mal für uns rein und fragt nach den Konditionen.

Noch bevor er zurückkommt, treffen wir Raphael aus Mainz wieder, den wir schon in Shiraz getroffen haben, – und Javier, der Spanier und einer der beiden Schweizer Jungs sitzen auch mit im Auto, sie wollen heute mit der Fähre übersetzen und sind schon fleißig am Einchecken.
Die drei Jungs fahren mit einem Auto raus, wir unterhalten uns kurz, sie müssen in der Stadt noch Geld tauschen, hier sollte man wegen dem besseren Umrechnungskurs in Rial zahlen. Dabei machen sie uns Mut, es ginge ja heute alles so relaxt zu bei der Abfertigung und wir sollten uns beeilen, beim Ticketkauf, dann könnten wir heute noch mit rüber.

Reza ist zwischenzeitlich eingetroffen, Ines und der zweite Schweizer auch, sie sagen das Gleiche. Also versuchen wir es, rein an den Schalter um Tickets zu holen.
Doch das war zu deutsch gedacht.
Die Beamtenmühlen hier mahlen sehr langsam. Also erstmal müsste er das Auto sehen, bevor er einen Preis machen könne.
Zuvor möchten wir aber wissen, ob wir evtl. mit einem für heute gelösten Ticket, im Fall, daß wir die Abfertigung doch nicht mehr schaffen würden, auch am Mittwoch noch fahren könnten. Dies zu beantworten, fühlt sich der Herr hinter dem Tresen nicht in der Lage.
Nachdem ich ihm ein Foto von unserem HerrMAN hingelegt und die Maße dazugeschrieben habe, hatte ich Hoffnung, nun einen Preis zu kriegen. – Fehlanzeige !
Es ist 14.10 Uhr und nun rückt er raus, – daß der Schalter ja seit 14 Uhr sowieso geschlossen sei, das mit den Tickets also nichts mehr werden wird.
Nun fragen wir, ob wir denn gleich die Tickets für Mittwoch haben könnten, was er auch verneint.
Dann fragen wir nochmal nach dem Preis und erklären ihm, daß wir ja morgen schon Geld tauschen können um nicht am Mittwoch erst noch mal in die Stadt zurück zu müssen.
Dazu fühlt er sich offensichtlich nicht in der Lage (hat ja wohl Feierabend), kopfschüttelnd ziehen wir ab.
Also die Überfahrt für heute hat sich somit erledigt, nun halten wir den Mittwoch im Auge.
Draußen sprechen wir mit Ines, sie werden in etwa den selben Preis zu zahlen haben, wie wir für unseren HerrMAN, so haben wir zumindest eine grobe Orientierung für den Geldtausch, den wir auf jeden Fall morgen schon machen wollen.

Wir verabschieden uns von den beiden und fahren zurück zu unserem Stellplatz, der zwar unglaublich laut ist, sich aber auch kein Besserer finden läßt.

Dort trifft am Abend auch noch Familie Ivan mit ihrem Wohnmobil ein. Cristian spricht Farsi, er macht derzeit das Projekt www.iranisgreat.com, wodurch er einige Beziehungen ins Land hat und uns anbietet, sich ihm anzuschließen. Er möchte evtl. von Bandar Lengeh direkt nach Dubai übersetzen, die Strecke sei kürzer und wesentlich billiger und mit drei Fahrzeugen könnten wir einen besseren Preis kriegen. Er will sich morgen darum kümmern. Wir sind gerne dabei.

Ansonsten ist der Abend schön warm und richtig nett, wir sitzen zusammen draußen, es kommen ständig Iranerinnen und Iraner vorbei, manche sprechen richtig gut Englisch und es kommen recht gute Gespräche zustande. Ein Paar mit seinem Jungen setzt sich zu uns und bleibt länger als eine Stunde, es geht lustig zu, wir reden aber auch über ernste Themen, erzählen uns gegenseitig, wie es so zugeht in unserer jeweiligen Heimat, – Familie, Beruf, Renten, Arbeitsplätze, Arbeitszeiten und Gesundheitswesen sind sehr interessante Themen, – es wird fleißig fotografiert, – Selfies geschossen und WhatsApp-Adressen getauscht.
Die gesamte Südküste und natürlich auch Bandar Abbas wirken bereits sehr afrikanisch auf uns, die Menschen sind hier wesentlich dunkelhäutiger, viele sind Belutschen, die aus Pakistan und der südostlichen Provinz Belutschistan hierher gesiedelt sind, anderen ist die afrikanische Abstammung deutlich anzusehen, – auch die Kleidung, die Frauen sind hier in bunte Tücher gehüllt, wie man es aus Afrika kennt, – die Vegetation, Sand und Palmen, Savanne und Akazienbäume, gelegentlich grasende Kamele dazwischen, – die Häuser und Dörfer, – das afrikanische Wetter, – das pulsierende Leben, – alles zeigt deutlich, daß wir hier im Süden angekommen sind.

„Heute wollen wir uns um die Fährverbindung und die Tickets kümmern, evtl. noch mal volltanken“, habe ich eingangs geschrieben.
Erledigt haben wir davon heute rein gar nichts ! Die Uhren gehen halt ganz anders hier, doch schön wars trotzdem. ….und es wird wieder spät, bis wir uns schlafen legen.

Tagesetappe:   38 km                    Gesamtstrecke:   7.493 km

 
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Verfasst von - 21. Dezember 2015 in Allgemein

 

Von Bandar Charak nach Bandar Abbas

29. 09. 1394

Die Nacht am Meer war endlich wieder mal herrlich ruhig, Frühstück gibts heute nebenan im Park, es ist herrlich warm, Reza geht gleich noch eine Runde schwimmen, bevor wir losziehen. Bis wir alles rundum erledigt haben, ist es schon wieder 11 Uhr.
Heute ist wieder Tanken angesagt, es wird hier unten im Süden immer schwieriger, an Diesel ranzukommen, ohne Dieselkarte rücken die Tankstellen nichts raus, eigene Dieselkarten haben sie offensichtlich hier unten nicht und die LKW-Fahrer sind auch nicht wirklich scharf drauf, auf ihre Dieselkarte tanken zu lassen. So haben wir beim letzten mal schon nur 100 Liter ergeiert, heute kriegen wir gar nur 60 Liter. Dafür sind die mit 8 Cent pro Liter gnadenlos günstig. 60 Liter für 4,80 Euro, das muß man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. — Autofahreres Weihnachtshimmel !

Wir fahren zurück auf die 96 und dann über Bandar Lengeh und Bandar Khamir immer Richtung Bandar Abbas.
Die Landschaft ist abwechslungsreich, auf der rechten Seite der Persische Golf, – immer wieder schöne Strandbögen mit feinem, fast weißem Sand und kleine Fischerdörfer.
Im Bereich der Städte halt auch Industrieanlagen, – hohe Verladekräne weisen auf Häfen hin, – ein großes Container-Terminal, – draußen auf dem Meer eine Vielzahl wartender Schiffe.
Auf der linken Seite faszinierend schöne Bergketten, hoch aufragende Felsen, deren Gestein in allen Farben leuchtet, – ein toller Anblick vor dem herrlich blauen Himmel.
Zwischendurch fahren wir durch eine Ebene, die wie mit frischem Schnee bedeckt, weiß glänzend in der Sonne leuchtet. Mineralien, vermutlich Salz, das ebene Land deutet auf einen trockenen Salzsee hin.

Das Wetter ist jetzt einfach genial, am Tag sonnige 26 Grad, noch angenehm zum Fahren, aber auch herrlich zum draußen sein, schon zum Frühstück im Freien sein, das hat es. Aber auch die Abende und Nächte sind wunderbar mild, vielleicht um die 19 Grad, so lieben wir das.

Am Abend, es wird schon wieder dunkel, erreichen wir Bandar Abbas, die Hafenstadt an der Straße von Hormuz, von der aus wir auf die arabische Halbinsel übersetzen wollen. Eigentlich in die VAE, vielleicht auch direkt in den Oman, das wollen wir morgen abklären.

Nach den absolut häßlichen Industrie- und Hafenanlagen mit qualmenden Schloten, mit denen uns Bandar Abbas außerhalb begrüßt, und dem mörderisch starken LKW-Verkehr, erreichen wir die Stadt selbst, die einen recht sauberen und netten Eindruck auf uns macht.
Mehrere schöne Parks ziehen sich entlang der Promenade, die Stadt ist riesig, erst am vierten oder fünften Park, dem Dowlat-Park finden wir einen einigermaßen passenden Parkplatz für uns. ( N 27° 11´04.6″ E 056° 19´23.2″ )
Auch Alex und Norbert aus München stehen hier und warten auf die Ankunft von Cristian und seiner Familie, mit denen sie zusammen die Überfahrt in die Emirate machen wollen.

Hier ist am Abend der Teufel los, – die angenehme Wärme oder auch angenehme Kühle, das sehen wohl die Einheimischen und wir aus anderen Perspektiven, lockt die halbe Stadt hier ans Meer heraus, man geht spazieren, promeniert, viele sitzen im Park oder am Strand rauchen ihre Wasserpfeifen oder essen, Süßigkeitenverkäufer haben ihre Stände aufgebaut, immer wieder schallt laute Musik aus einem Autoradio oder vom Rekorder zu uns rüber, – arabische Klänge, das hört sich herrlich an, – irgendwie fast Jahrmarktstimmung.
Die Autos fahren endlos in unseren Parkplatz ein und aus, die Mopeds knattern überall, Stimmengewirr rings um uns, – das Leben ist extrem laut hier, südlicher Flair bis spät in die Nacht.

Tagesetappe:   277 km                    Gesamtstrecke:   7.455 km

 
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Verfasst von - 20. Dezember 2015 in Allgemein

 

Von Kangan nach Bandar Charak

28. 09. 1394

Nun ja, das Knattern der Mopeds geht am Abend schon noch ziemlich lange, und auch heute früh geht es um halb sieben schon wieder los.
Ansonsten ist die Nacht angenehm mild und der Morgen schon gegen 9 Uhr mit 22 Grad ziemlich warm.
Toll, endlich sind wir im Sommer angekommen, – Fenster und Türen auf, – T-Shirts raus, – und los gehts.
(Naja, mal lieber in der Einzahl bleiben: T-Shirt raus, – Heike muß sich ja weiterhin „züchtig bedecken“ und ihren langen Kittel und das Kopftuch tragen, egal, wie warm es ist).

In der Stadt kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten, dann fahren wir zurück auf die 96 mit Endziel Bandar Abbas.
Heute kommen wir durch die iranischen Gas- und Ölfördergebiete am Persischen Golf.
Schon bald sind überall die brennenden Gasfackeln zu sehen, – die Luft ist ziemlich diesig, – und gut riechen tuts nun auch gerade nicht.
Rechts, zum Meer hin, riesige Verarbeitungsanlagen, so weit das Auge reicht, – Tanklager und petrochemische Werke, – draußen auf dem Meer liegen unzählige Riesentanker, die das schwarze Gold in alle Welt bringen.
Links, zum Land hin,  zwischen wild zerklüfteter Landschaft, immer wieder kleine Dörfer mit ihren weithin sichtbaren, fein hergerichteten Moscheen, – meist vor schroffen Felsen aus buntem Gestein, – kleine Palmenoasen, – manchmal auch ein paar Felder, hier ist Tomatenland, – wenn schon mal ein grün leuchtendes Feld, dann ein richtig großer Tomatenacker, ein Stück weiter auch Folientunnel dazwischen, Wassermelonen werden darunter gezogen.
Standesgemäß findet unsere Mittagspause heute im Schatten einiger Bäume, direkt neben einem Tomatenacker statt, die Pflanzen tragen viele Früchte, allerdings sind sie meist noch nicht erntereif, die paar Roten allerdings, die Reza dort rausfischt, schmecken köstlich.

Die Landschaft wird später fast afrikanisch, Savanne, trockene, aufgeplatzte Böden mit wenig Vegetation, nur vereinzelte Akazienbüsche stehen auf dem kargen Land.
Außerhalb der Dörfer sehen wir kleine, runde, spitzhaubige Gebäude. Es sind unterirdische Wasserspeicher, in der Regenzeit wird in ihnen das Wasser gesammelt, damit die Menschen hier über die lange Trockenzeit im Sommer kommen.

Die Dimensionen im Land sind riesig, Bandar Abbas ist noch immer fast 300 km entfernt, als wir gegen Abend nach Bandar Charak abbiegen, um am Strand einen Park mit Übernachtungsmöglichkeiten zu suchen. Es klappt. Gleich nach dem Ortsanfang weist ein Schild auf den „Coastal-Park“ hin.
Wir sind angenehm überrascht, als wir ankommen, ein schöner, kleiner Park mit angenahmen Stellmöglichkeiten auf der Meerseite, direkt vor einem langen, sauberen Sandstrand.
Reza findet seinen „Zeltplatz“ direkt nebenan im Park, wir finden nur wenige Meter weiter einen kleinen Kebab-Grill, wo wir uns später alle drei zum Abendessen niederlassen. ( N 26° 43´40.7″ E 054° 16´44.8″ )

Tagesetappe:   276 km                    Gesamtstrecke:   7.178 km

 
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Verfasst von - 19. Dezember 2015 in Allgemein

 

Von Bushehr nach Kangan

27. 09. 1394

Am Abend gegen 22.30 Uhr taucht schon wieder die Streife auf, langsam nervt das !
Sie prüfen wieder langfädig die Papiere und geben uns dann zu verstehen, daß wir mit zur Polizei fahren sollen.
Darauf haben wir nun überhaupt keine Lust und geben das auch zu verstehen, wir stehen hier prima und bleiben, zumal nur wenige Meter weiter Reza, ein iranischer Traveller, mit dem wir vorhin schon ein nettes und langes Gespräch hatten, sein Zelt im Park aufgeschlagen hat und auch hier übernachtet.
Ich habe mir 2 Stunden vorher heftig den linken Fuß vertreten und einen dicken Eisumschlag drum, den zeige ich her und sage den beiden, daß ich so keinen Schritt mehr fahren kann. Das wirkt anscheinend, sie verziehen sich, kommen aber später noch mal wieder und notieren sich die Paß- und Visanummern, – Heike soll irgendetwas unterschreiben, was sie nicht lesen kann, – das verweigert sie, – dann ziehen sie endlich ab.

Am Morgen bringt uns Reza frisches Brot und irgendein Linsenmus, das man offensichtlich hier zum Frühstück zu sich nimmt.
Der Tag ist schon herrlich warm, jetzt sind wir endlich angekommen, – heute kommen die dicken Klamotten in den Schrank, es wird auf Sommer umgestellt.

Nach dem Frühstück kommt Reza wieder zum Plauschen vorbei, er möchte mit seinem Fahrrad auch nach Bandar Abbas und in den Oman und fragt, ob wir ihn ein Stück mitnehmen könnten. Ja klar, gerne, – aber wohin mit dem Fahrrad. Doch das kriegen wir ziemlich flott gelöst, hinten an den Reserverädern bauen wir flugs aus dicken Ästen einen wunderbaren Fahrradträger, – direkt patentreif das Teil, – Reza holt sein Zelt und seine Sachen, – und dann kanns los gehen.
Wir finden es gar nicht schlecht, gerade hier unten in der Golfregion, die selbst bei den Iranern nicht ganz unkritisch gesehen wird, mit Reza einen ortskundigen Iraner als Begleiter zu haben, unterwegs erklärt er uns viele Dinge, die wir bisher noch nicht so verstanden hatten, er kennt sich recht gut aus, kann auch immer wieder mal für uns in Farsi übersetzen, wenn wir irgendwo was zu fragen haben, außerdem ist er Lehrer für Englisch und Türkisch an einer privaten Schule, wir sprechen nun den ganzen Tag englisch mit ihm, das ist richtig gut für unsere Englischkenntnisse, die wir somit mal wieder kräftig auffrischen können.

Von Busher fahren wir die relativ kleine, aber gut ausgebaute Straße, die direkt immer am Golf entlangführt, über Delvaz und Bordkhun nach Dayyer und Kangan.
Hinter Bushehr ist zunächst noch diese lagunenartige Sumpflandschaft, Reza erklärt uns, daß diese Lagunen bei starken Regenfällen, die es gelegentlich im Winter hier hat, komplett geflutet sind.
Weiter südlich führt die Straße dann durch eine wundervolle Landschaft, – herrliche Wüstengegend, – rechts meist irgendwie das Meer im Blick, – links eine absolut spektakuläre Felsenlandschaft. Steil aufragende Felstürme, über Jahrmillionen vom Wasser bearbeitet, – in tollen Farben, rot und grün und gelb und braun, jede Schicht irgendwie anders. Zwischen den Felsentürmen immer wieder schöne Palmenoasen, – wirklich toll anzusehen, – und das fast die gesamte Strecke lang.

Später, hinter Bordkhun tauchen bereits die ersten petrotechnischen Anlagen auf, hier und weiter südlich befinden sich die iranischen Öl- und Gasförderanlagen, kurz vor Kangan sehen wir dann schon erste Gasfackeln am Horizont, die Luft wird entsprechend diesig und riecht nicht wirklich so, wie frische Meeresluft eigentlich riechen sollte.

In Kangan fahren wir zum Stadtpark, auf dem zugehörigen Parkplatz finden wir unseren Nachtplatz, Reza zieht mit seinem Zelt einige Meter weiter in den Park, dort gibt es Toiletten und sogar Duschen, erzählt er uns später.
Heute ist Freitag, also in hiesigen Gefilden Sonntag, entsprechend viel Betrieb ist draußen auf der Straße, viele Menschen flanieren drüben im Park, bis spät in den Abend knattern die Mopeds durch das Städtchen. Wir wollen hoffen, daß es bald ein wenig ruhiger wird. ( N 27° 50´02.6″ E 052° 03´16.6″ )

Tagesetappe:   220 km                    Gesamtstrecke:   6.902 km

 
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Verfasst von - 18. Dezember 2015 in Allgemein

 

Von Kazerun nach Bushehr

26. 09. 1394

Am Abend gegen 22.30 Uhr kommen die Jungs von der Polizeistation herüber, bringen uns einen Korb mit Früchten, – Orangen, Mandarinen und Granatäpfel, – sie haben noch Lust auf einen Plausch. Leider sieht es mit ihrem Englisch nicht ganz so gut aus, so kauderwelschen wir uns halt eine halbe Stunde durch den Abend, es geht mehr schlecht wie recht, aber es geht. Die Schwester des Einen, die in Oklahama lebt, wird live aus den USA ans Handy zitiert und muß schnell noch ein wenig übersetzen, – einfach Klasse.

Die Nacht ist zwar sicher, aber nicht wirklich ruhig, von der Polizeistation kommen ständig Geräusche herüber, die Jungs machen ihren Dienst, Autos fahren rein und raus, das große Blechtor zum Hof wird jedesmal scheppernd geöffnet und wieder geschlossen.

Am Morgen, als wir uns das erste mal zeigen, kriegen wir zum Frühstück einen großen Teller Linsensuppe gebracht, – zum Frühstück für uns absolut ungewöhnlich, aber sehr schmackhaft. Sie geben sich wirklich alle Mühe, unseren Aufenthalt so angenehm als möglich zu gestalten, – sozusagen Übernachtung mit Halbpension und Unterhaltungsprogramm. Zum Abschied bedanken wir uns mit der üblichen Ladung Süßigkeiten und ziehen los.

Hinaus auf die 55, sie bringt uns direkt bis Bushehr (Bandar Bushehr).
Am Anfang führt die Straße noch relativ gerade durch die Ebene, dann kommen wir in eine herrliche Felsenlandschaft.
Bunt gefärbte Felsen zeigen schroff in den blauen Himmel, aufgetürmte Plattenschichten zeigen schräg nach oben, alles ist total ohne jegliche Vegetation.
Die Straße verjüngt sich zu einer relativ schmalen Landstraße und schlängelt sich viele Kilometer lang in zahlreichen Serpentinen langsam hinunter zum Persischen Golf.

Immer wieder durchfahren wir schöne kleine Palmenoasen, ganz unten angekommen einen stattlichen Palmenwald.
Unten auf Meereshöhe angekommen ist es gleich merklich wärmer, 20 Grad, später in Bushehr noch 22.
Hier führt uns der „Persian Gulf Highway“ schnurgerade und dreispurig etwa 50 Kilometer über die Ebene nach Bushehr.
Dort wird wie wild gebaut, durch die weite Lagune hat man bereits eine breite, kilometerlange Zubringerstraße zu den Hafenanlagen und einem ganz neuen Stadtviertel gebaut, daneben entstehen riesige Uferpromenaden mit breiten Pflasterwegen, Unmengen von Straßenlaternen, Parks, Grünflächen und Palmen, das sieht schon im Bau ziemlich gewaltig aus.
Am Ende der langen Straße kommen wir hinaus an den Golf und fahren nun immer die Uferstraße entlang Richtung Süden.
Die Promenade zieht sich über viele Kilometer am Meer entlang, toll angelegt und gepflegt, mit Ruhezonen und Parkbänken, Blumenrabatten, Büschen und Palmen, sie ist gut besucht, viele hundert Menschen flanieren am Meer entlang, unzählige haben sich wieder zum Picknick auf ihren Decken oder in den kleinen Pavillons niedergelassen.

Am Shaghab-Park finden wir den passenden Stellplatz für die Nacht, direkt am Meer, ruhig und hell, ein iranisches Restaurant ist nur 200 Meter weg und genügend Auslauf für die Spaziergänge mit Aspros haben wir auch. ( N 28° 54´50.6″ E 050° 49´01.3″ )

Tagesetappe:   177 km                    Gesamtstrecke:   6.682 km

 
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Verfasst von - 17. Dezember 2015 in Allgemein