RSS

Von Ras Sidrah nach Ras Madrakah

18 Jan

Die Nacht an unserem einsamen Strandplatz ist erwartungsgemäß still, der weiße Sand reflektiert das starke Mondlicht, er leuchtet selbst in der Nacht schneeweiß.

Am Morgen fahren wir über die Piste zurück zur 32 und weiter Richtung Ad Duqm.
Ad Duqm, dort wo vor 15 Jahren eigentlich nichts gewesen ist, außer einem Skulpturengarten, den die Natur aus Kalk- und Sandsteinfelsen geschaffen hat, wurde zur Sonderwirtschaftszone erklärt, dort wird gebaut, – wie verrückt, – es soll in den nächsten 25 Jahren eine Industriestadt mit 100.000 Einwohnern aus dem Wüstenboden gestampft werden. Ein gigantisches Unternehmen, – ein Wahnsinnsprojekt !

Als wir uns der „alten Ansiedlung“ nähern, die nur aus ein paar vereinzelten Häusern, einer Tankstelle und einem kleinen Supermarkt besteht, sehen wir schon Kilometer vorher überall die Bagger in der Landschaft. Es werden neue Industriegebiete von gigantischen Ausmaßen geschaffen, – es sieht irre aus, wie überall in der Wüstenlandschaft die Arme der unzähligen Bagger „werkeln“ und sich eine ganze Armada von Bau-LKW hin- und her bewegt, – für uns irgendwie ziellos, – eine gewisse Ähnlichkeit mit „Laufspuren“ in einem Ameisenhaufen ist nicht von der Hand zu weisen.

Als wir dann zum Kap hinausfahren, können wir es fast nicht glauben, – kilometerlange vier- und sechsspurige Autobahnen führen in und durch die „Stadt“, mit gepflasterten Gehsteigen, Strom- und Wasserleitungen, Straßenbeleuchtung und Grünanlagen, die sich im Bau befinden. Drumherum ist nichts, – nichts als Wüste, kein Haus, kein Gewerbebau, kein Mensch und kein Tier, – die Straßen sind komplett leer, – eine Geisterstadt von etwa 10 Kilometern Durchmesser !
Hier hat man die Infrastruktur für eine Stadt mit 100.000 Einwohnern geschaffen, aber noch ist niemand da, – das sieht unglaublich aus.

Draußen am Meer ist bereits ein Industriehafen entstanden, ein Trockendock und der Internationale Flughafen, – ein Gaskraftwerk, Ölraffinerien und petrochemische Werke sind geplant. Außerdem ist gleich daneben, an der ewig langen Beach, eine Tourismuszone von gigantischen Ausmaßen geplant, zwei 4-Sterne-Hotels stehen bereits, ein Kongreßzentrum wird gerade gebaut.

Wir würden allerdings viel lieber zum Skulpturengarten fahren, hier hat die Natur ein einmaliges Werk vollbracht.
An einem der zahlreichen Kreisverkehre steht tatsächlich ein Hinweisschild „Rock Garden“, allerdings ist die zweispurige Straße dorthin noch gesperrt.
Also fahren wir einen Umweg, um auf anderen Straßen dorthin zu kommen, es gelingt uns aber nicht.
Letztendlich landen wir draußen am Trockendock, wir fragen die dort stehenden Wachposten, einer ist so freundlich und zeigt uns den Weg, er fährt ein Stück vor uns her, bis die Straße endet, dann zeigt er uns eine Schotterpiste, der wir etwa einen Kilometer folgen sollen, und dort hinten, wo von hier aus die Autobahn zu sehen ist, müssten wir diese kreuzen, dann wären wir da.
Dankend verabschieden wir ihn und fahren offroad zum Skulpturengarten, – fast, – denn an der Autobahn ist erst mal Ende, sie ist vierspurig, mit Leitplanken bestückt, also ein kreuzen ist absolut ausgeschlossen, eine Unterführung gibt es ebenso nicht. Also Schluß damit, die Skulpturen müssen ohne unsere Aufwartung auskommen.
Es bleibt zu hoffen, daß der Zugang dorthin später wieder geöffnet wird und daß dieses Kleinod der Natur nicht irgendwie „unter die Bagger“ kommt.

Wir verschwinden aus dieser Endlos-Megabaustelle zurück auf die 32 und Richtung Süden, unser nächstes Ziel ist das Kap „Ras Madrakah“, das wir gegen 16 Uhr erreichen.
Unterwegs gibt es nicht wirklich viel zu sehen, die Landschaft ist unheimlich flach und leer, – nicht umsonst wird der Landstrich hier unten „die leere Mitte“ genannt.
Unser Weg hinaus ans Meer führt uns an einem Platz mit „bunten“ Erdhügeln vorbei, die auf den ersten Blick aussehen, als hätten LKW hier Ladung um Ladung Erde abgekippt, allerdings ist dies nicht so, die Natur hat hier verscheidenfarbiges Gestein hervorgebracht, das im Laufe von Jahrtausenden verwittert ist und sich solche „Erdhaufen“ gebildet haben.
Gleich dahinter stehen die für diese Gegend typisch schwarzen Felsen, die zum schneeweißen Sand einen herrlichen Kontrast bilden.
Hier ist unser Nachtplatz. ( N 18° 59´00.4″ E 057° 48´48.4″ )
Am Abend wird wieder mal der Grill angeheizt, es ist angenehm mild draußen, entsprechend lange sitzen wir mit Irmgard und Klaus zusammen und plauschen.

Tagesetappe:   173 km                    Gesamtstrecke:   9.889 km

Advertisements
 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 18. Januar 2016 in Allgemein

 

Schlagwörter: , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: