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Von Askale nach Susehri

18 Mrz

Unser Platz ist wirklich still, – die Nacht elend kalt, – minus 17 Grad hat der Wetterbericht angekündigt, – ganz so heftig war es dann aber doch nicht, – allerdings sind minus 10 Grad auch noch kalt genug.
Um 06.30 Uhr veranstaltet Aspros sein tägliches „Wecktheater“, – „Hei, – hallo – spinnst Du ?“ frag ich ihn, denn sonst vollführt er seinen Tanz immer erst gegen 8 Uhr, – doch dann fällt mir ein, daß wir ja am Tag die Uhr um 1 1/2 Stunden zurückgedreht haben, – und seine innere Uhr ist unbestechlich !
Nun, die Sonne scheint schon so herrlich und wärmt wunderbar, – dann stehen wir halt heute mal früher auf, – hoffentlich dauert die Umstellung von Aspros innerer Uhr nicht all zu lange.

Gegen 9.30 Uhr fahren wir los, – in Askale tauschen wir Geld und laden unsere türkische Internet-SIM-Karte auf, – kaufen wieder mal das Nötigste ein und ziehen dann weiter nach Westen, immer die 100 entlang, nach Erzincan und weiter bis Susehri.
Ursprünglich war unser Plan, von Dogubayazit nach Norden ans Schwarze Meer zu fahren, dort nach Westen und dann etwa in der Mitte des Landes schnurgerade, über Ankara nach Süden zu fahren um dort gemütlich der Mittelmeerküste nach Westen zu folgen. Mit der Fähre wollten wir von Marmaris nach Rhodos und von dort nach Kreta übersetzen.
Wegen der Probleme im Kurdengebiet, der derzeit hohen Terrorgefahr, aber auch der großen Zahl von gestrandeten Flüchtlingen an der türkischen Westküste Richtung Griechenland haben wir alle Vorhaben in der Türkei gestrichen und fahren nur so flott es eben geht von Ost nach West, Ankara und Istanbul werden wir umfahren, – für die gesamte Durchquerung bis Alexandroupoli in Griechenland planen wir etwa 7 Tage.
Schade, – aber die Türkei ist derzeit kein Land zum Reisen, – auf den ersten Blick ist zwar alles recht normal und von all den Dingen ist nichts zu sehen, – aber irgendwie zu spüren ist es, – es beklemmt schon ein wenig, wenn alle paar Kilometer Polizei oder Militär Straßensperren aufgebaut haben und schwer bewaffnete Soldaten hinter Sandsackbarrieren und neben gepanzerten Fahrzeugen an der Straße stehen, – eine gewisse Nervosität liegt greifbar in der Luft.

Das Wetter am heutigen Tag meint es wirklich gut mit uns, die Sonne strahlt von einem blitzblauen Himmel, langsam wird es auch wieder ein wenig wärmer, noch einmal überqueren wir zwei Bergpässe, 2.100 und 2.200 Meter hoch, die Temperatur dort oben liegt bei 1 Grad, während unserer normalen Strecke auf Höhen um 1.300 Meter schon bei 6 Grad und gegen Abend kommen wir in flachere Gegenden und erreichen schon wieder angenehme 11 Grad, so kanns weiter gehen, wollen endlich wieder aus dem Eiskeller raus.

Es ist unbeschreiblich, wie oft sich im Laufe eines Tages die Natur um uns herum und die Jahreszeit verändert, – oben in den Bergen ist noch richtig Winter, der Schnee liegt noch dick, – in den Bergen hinter Erzurum erkennen wir Skipisten und einen Lift, – Ski und Rodel gut, – weiter unten hat die kräftige Märzsonne den Schnee bereits weggeleckt, die Berge in der Umgebung sind noch weiß, die Ebenen bereits schneefrei, oft haben sich in den Senken kleine Seen gebildet, das Schmelzwasser sammelt sich, kleine Bäche sprudeln überall von den Bergen herunter, – „im Märzen der Bauer…“, auf den Feldern sehen wir Bauern mit ihren Traktoren, die pflügen oder aussäen, und noch weiter unten wird es verstärkt Frühling, Blüten und erste zarte Triebe sind an den Bäumen und die Wiesen und Felder spriesen auffällig grün.

Am späten Nachmittag kommen wir nach Susehri, hier wollen wir uns einen Stellplatz für die Nacht suchen, – Parkplätze an Sportstadien, Schulen oder Universitäten sind immer recht angenehm, – so fahren wir zur örtlichen „Universität“, die jedoch keine geeigneten Parkplätze hat, – wir sehen allerdings ein Stück daneben einen brauchbaren Stellplatz auf einem Stück Brachland, Fritz fährt vor, wir kommen später nach, – neben der Uni stoppt uns schon gleich die örtliche „Polis“, – dort unten könnten wir nicht parken, das sei nicht erlaubt (?). Auf meine Frage, wo wir denn stehen könnten, ob es kein Stadion oder einen Fußballplatz mit Parkplätzen gebe, gibt mir einer der Polizisten zu verstehen, daß er vorfahren und uns einen Platz zeigen wird.
So werden wir im Geleitzug mit eingeschaltetem Blaulicht durch die halbe Stadt eskortiert und an einer Tankstelle „abgestellt“.
Wir sind zunächst recht skeptisch, doch bei genauerem Hinsehen stellt sich der Platz als angenehm heraus, ist weitläufig, sauber betoniert und gefegt, eingefasst von Blumenbeeten und weißem Holzzaun und ein wenig abseits der Straße, – gar nicht schlecht. ( N 40° 10´22.8″ E 38° 05´11.3″ )
Ich danke den Polizisten für ihren „Einsatz“, sie wünschen „Gute Reise“ und fahren weg.
Neben der Tankstelle sehen wir später ein kleines Rasthaus, das Lokal sieht angenehm aus, am Abend gehen wir mal schauen, – und bleiben zum Essen, eine schöne Auswahl an leckeren Gerichten, nett zu sitzen und sehr sauber ist das Lokal, – am Ende zahlen wir etwa 8 Euro pro Person, – der Stellplatz ist tatsächlich nicht schlecht !

Tagesetappe: 284 km Gesamtstrecke: 18.837 km

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2 Kommentare

Verfasst von - 18. März 2016 in Allgemein

 

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2 Antworten zu “Von Askale nach Susehri

  1. Heinz Putz

    20. März 2016 at 14:52

    Lieber Hermann, seid drei Tagen lassen sich die angegebenen Koordinaten nicht mehr bei Google Earth umsetzten. Ich komme manchmal in den USA raus .Liebe Grüße Heinz

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    • heikeuhermann

      20. März 2016 at 19:26

      Hallo Heinz,
      danke für den Hinweis, war mein Fehler.
      Ich habe in den Koordinaten das O für Ost gesetzt, international muß aber das E für East verwendet werden.
      Ich habe es geändert, nun sollte es wieder gehen.
      Viel Spaß beim „Hinfliegen“. Hermann

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