RSS

Schlagwort-Archive: Shisr

Von Shisr nach Qatbit

Am Morgen werden wir offensichtlich zum „Anschauungsobjekt“ für ein paar wildgewordene Kampfjets.
Zunächst fliegt ein solcher in gebührender Höhe und mit etwas seitlichem Abstand über uns hinweg.
Wahrscheinlich wecken wir die Neugier beim Piloten, mal zu schauen, was da unten in der flachen Wüste steht, denn einige Minuten später kommen gleich zwei an, keine 30 Meter über uns, einer leicht seitlich neben uns, der andere direkt über unseren Köpfen, – mit einem ultralauten Getöse fliegen sie über uns hinweg, – wir müssen uns alle die Ohren zuhalten, um keinen Schaden zu nehmen, – dann sind sie weg. Später fliegt noch einmal einer in „anständiger“ Höhe über uns hinweg, dann haben sie offensichtlich genug gesehen.

Wir fahren zurück auf die Asphaltstraße und die restlichen 40 km nach Shisr.

Das Wetter hier draußen in der Wüste ist ein wenig anders als es die letzten Wochen am Meer gewesen ist.
Die Luft ist strohtrocken, 8 % Luftfeuchtigkeit haben wir gemessen, – alle Schleimhäute trocknen aus, – die Lippen werden hölzern, – die Haut spröde und die Nase läßt kaum noch Luft zum Atmen durch, der ewige Staub in der Luft fordert seinen Tribut.
Die Sonne brennt den ganzen Tag von einem stahlblauen Himmel, jedoch weht ein steter Wind, – mal nur als laues Lüftchen wahrnehmbar, – immer wieder mal aber etwas stärker, – am Tag empfinden wir ihn als angenehm kühlend, – morgens jedoch ist er eher kühl und wir ziehen uns trotz der kräftigen Sonne etwas Warmes über, denn die Nächte sind kalt, – schon gleich nach Sonnenuntergang am Abend fällt die Temperatur mit jeder Stunde und im Laufe der Nacht fällt sie wohl in den einstelligen Bereich.
Am Morgen, kurz nach 6 Uhr geht die Sonne auf und heizt gleich kräftig ein, – bis sie jedoch die Kälte der Nacht vertrieben hat, dauert es zwei Stunden.

Als wir uns Shisr nähern, wird plötzlich die Wüste grün, – überall und immer wieder spriesen grüne Teppiche aus dem Wüstensand, viereckig oder rund, – kleine Farmen stehen entlang der Straße.
Bewässerung heißt auch hier das Zauberwort, – riesige Bewässerungsanlagen gießen ganze Landstriche, plötzlich und ziemlich scharf abgetrennt zum Umfeld beginnt es hier grün zu spriesen, nur Zentimeter daneben nichts als Staub und Sand, das sieht schon irre aus. Und später, am anderen Ende des Örtchens, sehen wir einen Farmer bei der Heuernte, hier mitten in der Wüste, – das ist schon verrückt.

In Shisr besuchen wir die Ausgrabungsstätte „Ubar“.
Dort befand sich im Altertum eine Wasserstelle, an der die Weihrauchkarawanen Halt machten und um die herum die „sagenhaft reiche“ Karawanenstadt Ubar entstand.
Die Wasserstelle und das Drumherum sind offensichtlich in späteren Jahren eingebrochen, der Fels über einem Hohlraum darunter war wohl nicht stark genug.
Später ist die ehemalige Wasserstelle zusammen mit dem Ort nach und nach verschüttet worden und unter dem Sand verschwunden.
Die Legende vom „Atlantis der Wüste“ war geboren.
Erst die Raumfahrt und hier speziell die „Challenger“ hat 1992 Satellitenbilder geliefert, auf denen man den Kreuzungspunkt wiedererkennen konnte, und an dem dann gegraben wurde. Das Ergebnis ist die Ausgrabungsstätte „Ubar“, relativ klein, aber mit ein wenig Phantasie kann man die Kamele an der Tränke brüllen hören und das rege Treiben in der Karawanenstadt erahnen.

Von Shisr führt eine knapp 70 km lange Piste nach Nordosten, die dann bei Ad Daukah wieder auf die N 31 führt, sie wird heute kaum noch benutzt, das „Asphalt-Zeitalter“ läßt den Verkehr Richtung Norden dann doch lieber die doppelt so lange Strecke über Asphalt nehmen, – wir nehmen die Schotterpiste.
Und sie fährt sich gut, am Anfang ein wenig holprig, mit groben Wellen, später wird sie besser und erlaubt oft Tempo 70 km/h.
Die Wüste rechts und links ist bretteben und weiß, die Piste vor uns noch weißer, nach wenigen Kilometern flimmert es vor den Augen, es gibt kaum noch Kontraste und es fällt schwer, Unebenheiten in der Straße wahrzunehmen. So bleibt es nicht aus, daß es doch das eine oder andere Mal heftig rumst, wenn unser HerrMAN einen Sprung macht.
Doch nach 90 Minuten sind wir durch und ein wenig Brennholz fürs abendliche Lagerfeuer haben wir auch schon eingesammelt.
Die Piste ist seit den 1970er Jahren bis vor wenigen Jahren noch die einzige Verbindung von Shisr nach Norden und somit viel befahren gewesen, natürlich auch mit Schwerverkehr, immer und überall liegen entlang der Strecke zerfetzte Autoreifen, in einer unbeschreiblichen Menge, solche Strecken sind für schwere LKW echte Reifenkiller, insgesamt sind es wohl mehrere Hundert, die wir sehen.

Ab Ad Daukah fahren wir wieder auf der asphaltierten N 31, etwa 90 km bis kurz vor Qatbit, dort fahren wir links in eine Piste, etwa 1 km tief in die flache Wüste hinaus und suchen uns unseren Nachtplatz.
Die Piste und die Wüste sind hier unglaublich feinsandig, fast wie Mehl sieht das aus und staubt auch so, eine lange Staubfahne zieht hinter uns her.
Wir finden eine feste Stelle, an der der Sand weggeweht ist, – ideal, – hier bleiben wir. ( N 19° 07´01.0″ E 054° 23´38.4″ )

Tagesetappe:   165 km                    Gesamtstrecke:   11.322 km

Werbeanzeigen
 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 3. Februar 2016 in Allgemein

 

Schlagwörter: , , , ,

Von Ain Razat nach Shisr

Auch hier in der kleinen Oase ist die Nacht wieder wunderbar ruhig und sturmfrei, also alles richtig gemacht.

Am Morgen wollen wir weiter, auf der N 31 die Salalahebene verlassen und über die Dhofarberge nach Norden.
Doch beim Anlassen schwächelt unser HerrMAN ein wenig, ich habe das die letzten Tage schon bemerkt, daß der Starterbatterie die Luft ausgeht.
Wir beschliessen, nochmal zurück in die Stadt zu fahren und gleich Neue einbauen zu lassen, die Alten sind schon ziemlich alt, und die nächsten 1.000 km nach Norden treffen wir kaum auf größere Ansiedlungen. Es wäre blöd, wenn wir die nächsten Tage irgendwo in der Wüste nicht mehr starten könnten und stehenbleiben.

Also zurück nach Salalah und einmal quer durch die Stadt, bis hinüber in das Industriegebiet, dort sind alle Autohäuser und eine Vielzahl von kleinen Reparaturwerkstätten und Läden für Autozubehör.
Wir müssen zwei oder dreimal erfolglos fragen, dann zeigt uns ein Inder den Weg zum richtigen Laden, dort gibt es zwar nicht die Originale, doch sie passen und der Preis ist auch ok. Der Einbau dauert etwa eine Stunde, dann können wir weiter.

Wieder zurück durch die ganze Stadt und auf die N 31 nach Norden, „Muscat 1.010 km“ steht auf einem der Schilder am Straßenrand.
Die N 31 ist sehr gut ausgebaut, steil führt sie über die Dhofarberge hinweg, auch hier ist die Straße tief in den Fels hineingegraben.
Von oben haben wir einen tollen Blick über die gesamte Salalahebene, über die Stadt selbst und hinaus ans Meer.
Überall ist an den riesigen Staubwolken zu erkennen, wo sich die nächsten Mega-Baustellen durchs Land „fressen“. Es ist einfach gigantisch, was hier in den letzten Jahren geschaffen wurde, und was noch auf dem Plan steht, die Zahl der derzeitigen Baustellen ist schier unbeschreiblich.

Etwa 50 km nördlich von Salalah liegt auf der linken Seite der Weihrauchpark „Wadi Daukah“.
Er wurde hier künstlich angelegt, ein Teil der Weihrauchbäume stand schon hier, andere hat man dazu gepflanzt, das „Wadi Daukah“ ist noch viele Kilometer weiter nördlich.
Hier wird den Besuchern der Salalahregion die Möglichkeit gegeben, sich Weihrauchbäume und das Drumherum „stadtnah“ anzusehen, auf Tafeln ist „Wadi Daukah“ dargestellt und vieles rund um den Weihrauch erklärt.
Wir schauen uns das alles in Ruhe an, ein für den Park zuständiger „Gärtner“ aus Pakistan erklärt uns Vieles rund um den Baum, die Aufzucht und seine Eigenheiten, eine sehr lehrreiche und äußerst angenehme Unterhaltung mit ihm.

Dann fahren wir weiter, – die Landschaft entlang der Strecke wird nun immer eintöniger, – flach, – einfarbig, – vegetationslos, wir haben fast 1.000 km Wüste vor uns.
Unser nächstes Ziel ist Shisr mit seinen Ausgrabungen.
Über Thumrayt folgen wir der N 31 und biegen etwa 35 km hinter der Stadt links ab.
Etwa 40 km vor Shisr fahren wir ein gutes Stück in die endlos flache Wüste hinaus und suchen uns einen Stellplatz für die Nacht.
Die Auswahl ist deutlich begrenzt, es gibt mangels jeglicher Vegetation keinen Schatten, den wir ansteuern könnten, es gibt auch keinerlei Dünen oder Hügel, hinter die wir uns verziehen können, die Wüste ist hier flach, wie ein riesiger, endloser See.
So stellen wir uns eben mitten in die Ebene, das geht auch mal. ( N 18° 01´15.9″ E 053° 54´42.5″ )

Am Abend schrauben wir noch eine gute Stunde an unserem HerrMAN, – ein Vorderreifen fährt sich außen einseitig ab, und Klaus meint, wir sollten ihn umdrehen, er hat einfach Lust drauf, das zu machen, also packen wir es an, – und es funktioniert.
Bis wir fertig sind, duftet es schon wunderbar vom Grill, unsere Frauen waren offensichtlich auch nicht untätig, – danach gibts das obligate abendliche Lagerfeuer, bis tief in die Nacht sitzen wir zusammen und plaudern, – so ein Zigeunerleben hat schon was.

Tagesetappe:   170 km                    Gesamtstrecke:   11.157 km

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 2. Februar 2016 in Allgemein

 

Schlagwörter: , , , , ,